Wenn Banken in den Himmel wachsen

von | 18.06.2018 | Liste Niederösterreich

Deutsche Bank, Frankfurt (Creative Commons License)

Das Bild drückt einmal in der Sprache der Architektur und einmal in jener der Ökonomie denselben Sachverhalt aus. Die großen Europäischen Banken sind in den letzten Jahren in den Himmel gewachsen. Das Bild zeigt die Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt.

Seit den 1990er Jahren explodiert dieser Wert. Heute übertreffen die Bankgeschäfte die gesamte volkswirtschaftliche Leistung um rund das 4-fache. Wobei dieser Prozess vor allem auf die 20 größten Banken konzentriert ist.

Banken dürfen kein Geld drucken, sie können jedoch in Form von Krediten zusätzliches Geld in Umlauf bringen. Man spricht in diesem Fall von Buchgeld. Das Buchgeld macht mehr als das 10-fache des Geldguthabens einer Bank aus.

Als Reaktion auf die Finanzkrise 2007 wurden mit dem Basel III Abkommen insbesondere die Eigenkapitalquote von Banken erhöht und Schlupflöcher zur Umgehung der bisherigen Regulierung geschlossen. Basel III ist eine Reform innerhalb des bestehenden Systems. Für die Banken geht diese Reform zu weit, für die Kritiker ist es nur eine halbherzige Maßnahme, die zukünftige Krisen nicht verhindert. Basel III ist ein internationales Abkommen. Es legt nur einen Mindeststandard fest. Die Auflagen können auf nationaler Ebene strenger sein. Die Stabilität des Banksystems ist in der Schweiz auf Grund der Größe der Banken eine besonders sensible Angelegenheit. Die Schweizer Auflagen gehen daher erheblich über Basel III hinaus.

Wesentlich radikalerer Ansatz ist die Schweizerische Vollgeld-Initiative. Buchgeld würde dem Papiergeld gleichgesetzt. Die Banken könnten nur mehr Geld verleihen, das sie tatsächlich im Tresor haben oder das ihnen von der Schweizer Nationalbank zugeteilt wurde.  Ein Bankkonto wäre nicht – wie bisher – ein Anspruch, Papiergeld abzuheben, sondern diesem gleichwertig. Die Auswirkungen dieses Vorschlages sind umstritten und unklar.

Mit Sicherheit ist es nicht – wie vielfach behauptet wird – das Ende dies bisherigen Kapitalismus. Das Kennzeichen des Kapitalismus ist die Jagd nach Profit. Das Mittel dazu ist die ständige Ausweitung der Produktion. Es werden alle Lebensbereiche in den Markt eingegliedert und neue Bedürfnisse geschaffen. Dafür benötigt man Kapital. Bankkredite sind nur eine von vielen Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung. Ein Unternehmen kann auch Aktien ausgeben, Anleihen zeichnen, es können sich Risiko-Fonds an der Firma beteiligen, man kann Gewinne reinvestieren. In den USA ist der Bankensektor wesentlich kleiner, weil diese Formen der Kapitalbeschaffung dominieren. Darüber hinaus wird der Mensch sehr erfindungsreich, wenn Regeln dem Geschäft im Wege stehen. Möglicherweise hätte das Vollgeld so gut wie keine Auswirkungen, weil die Banken sehr schnell lernen würden, die Vollgeld-Regeln zu umgehen. Das selbe gilt – wie die Erfahrungen der bisherigen Regulierungsabkommen Basel I und II zeigen – auch von Basel III.

Vermutlich haben die unabsehbaren Folgen der Umstellung auf ein Vollgeld-System die Schweizer Bürger bewogen den Vorschlag mit großer Mehrheit abzulehnen.

Die Initiative hat jedoch einen wichtigen Beitrag zur Diskussion um die Rolle der Banken und ihre Stabilität geleistet. Wahrscheinlich fließen Ideen dieser Initiative in zukünftige Regulierungsabkommen ein.

Ein Bankier ist ein Mensch, der seinen Schirm verleiht, wenn die Sonne scheint, und ihn sofort zurückhaben will, wenn es zu regnen beginnt.  (Mark Twain).